Nach 50 Jahren ist Erich Schulz unvergessen

Am 11. Juli 1956 stürzte der Berliner Postradsportler Erich Schulz im Alter von 42 Jahren auf der 6. Etappe der DDR-Rundfahrt zwischen Halle und Eisleben so schwer, dass er noch am Unfallort verstarb. Anlässlich zu seinem 50.Todestag stellten Freunde und Mitstreiter des damals sehr populären Radsportlers ein Buch über sein Leben zusammen.
Dieses Buch wurde beim diesjährigen Treffen der ehemaligen Berliner Postradsportler am 21. Januar vom Autor und Herausgeber Andreas Ciesielski erstmalig vorgestellt.

Erich Schulz, Jahrgang 1914, hatte schon vor dem zweiten Weltkrieg mit dem Radsport begonnen und war sehr erfolgreich. Aus dem Krieg nach Berlin zurückgekehrt schien für ihn der Sport nicht mehr möglich, denn ein altes Magenleiden quälte ihn über Jahre hinweg.
Doch er gab nicht auf, besiegte die Krankheit und startete 1950 im Alter von 36 Jahren sein erfolgreiches "come back". In diesem Jahr wurde er Sieger der schweren Harzrundfahrt, gewann die DDR-Mannschaftsmeisterschaft, belegte den 3. Platz bei der DDR-Rundfahrt und wurde Dritter in der Gesamtwertung der Auswahlrennen des Jahres.
In den folgenden Jahren hielt die Erfolgsserie des "Eisernen Ete" wie Erich mit Hochachtung von seinen Mitstreitern genannt wurde, weil er viele Straßenrennen auf die damals noch häufig vorhandenen Kopfsteinpflasterstrecken entschied, an.
Die Straßensaison 1952 wurde die erfolgreichste seiner Laufbahn. Erich Schulz wurde mit 7 Siegen bei schweren deutschen Straßenrennen und dem Gesamtsieg bei der DDR-Rundfahrt erfolgreichster Straßenfahrer des Jahres 1952 vor "Täve" Schur und Rudi Kirchhoff -und das im Alter von 38 Jahren!
1953 und 1954 war Erich Schulz Mannschaftskapitän der DDR-Friedensfahrtmannschaft. Erich's Leistungen trugen wesentlich zum erfolgreichen Abschneiden seiner Mannschaft im Kampf der besten Amateurstraßenfahrer bei, aber leider musste er bei beiden Friedensfahrten wegen schwerer Stürze aufgeben.
Bis zu seinem tragischen Tod am 11. Juli 1956 gewann Erich noch viele Straßenrennen, wurde sehr oft Zweiter hinter seinem spurtstarken Dauerrivalen Rudi Kirchhoff, gewann mit seinen Postsportlern viele Meisterschaften im 100km-Mannschaftsrennen und konnte noch einmal bei der DDR-Rundfahrt 1955, die sein Musterschüler Dieter Lüder gewann, einen 2.Platz in der Gesamtwertung belegen.

Erich Schulz war Vorbild und Lehrmeister vieler Junger Radsportler seiner Zeit. Auch Gustav-Adolf "Täve" Schur lernte von ihm, bewunderte seine Qualitäten als Kämpfernatur und seine Übersicht im Rennen, die er sich von ihm  abluchste.
An der Unglücksstelle an der Straße Halle - Eisleben zwischen Kilometer 17,3 und 17,4 wurde ein Gedenkstein errichtet, der noch heute an diesen großartigen Sportler erinnert.

Ab 1957 wurde das Radrennen "Berlin-Angermünde-Berlin" zu Ehren von Erich Schulz von der BSG Post Berlin als "Erich-Schulz-Gedenkrennen" veranstaltet.
Die Liste der Gewinner zählt viele berühmte Namen wie Georg Stoltze (1958), Dieter "Eule" Ruthenberg (1961), Lothar Appler (für die BSG Post 1969), Axel Peschel (1970), Lothar Grüner (1972), Dieter Stein (1977 und 1980).
Den Mannschafts-Pokal konnten die Post-Sportler in den Jahren 1967 und 1972 "nach Hause" holen. 1972 gewann die BSG Post Berlin mit Klaus Olsohn, Joachim Mattner und Jan Kiefer.

Einige der Rivalen und Teamgefährten von Erich Schulz wie Georg Sternberg, Dieter Lüder (sein Musterschüler), Heinz Lüdke (Mannschaftsmitglied bei der DDR-Rundfahrt 1956) fahren noch heute regelmäßig in unserer Oldie-Gruppe mit.

Das Buch mit vielen Fotos und Original-Rennberichten von Erich Schulz ist ein "Muss" für jeden Berliner Radsportfan:
Andreas Ciesielski "Erich Schulz: Sein Leben für den Radsport", ISBN: 3-938398-21-3, erschienen im SCHEUNEN-VERLAG.

Autor: Manne Schulze (Senioren III / Alte Hasen)

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